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3. Kommentare zu ausgewählten Veranstaltungen

Soweit in den Kommentaren Bewertungen enthalten sind, handelt es es sich um meine persönliche Einschätzung. Ich bin mir bewußt, dass andere Teilnehmer durchaus einen anderen Eindruck gewonnen haben können.

3.1 Tutorial: How to make Debian Packages - a brief introduction

Das Tutorial gliederte sich in zwei Teile:

Zuerst stellte Martin Schulze das Paketmanagement von Debian vor. Dies führte von der Erklärung des Aufbaus eines Debian-Paketes über die grundlegende Arbeitsweise von dpkg (dem Kommandozeilen-Tool für das Paketmanagement) zu den diversen Hilfsmitteln, die die Debian-Paket-Erstellung erleichtern.

Danach berichtete Roman Hodek von seinem Debian Build Daemon, der dazu dient, Debian-Pakete automatisch für alle unterstützten Plattformen zu bauen. Dies stellt natürlich eine große Erleichterung gegenüber einer manuellen Aktualisierung dar.

Ein Kritikpunkt sei hier angeführt. Da einige der ca. 25 Teilnehmer sich gegenseitig bereits gut kannten und auch sehr aktiv im Debian-Team sind, neigte das Tutorial vor allem im ersten Teil dazu, zu einer Art Eingeweihten-Veranstaltung zu werden. Die oft unnötigen Zwischenbemerkungen einiger Teilnehmer störten den roten Faden doch sehr.

3.2 Dan Koren: Filesystems 2000 (Keynote)

Dan Koren hat in seiner Keynote auf die unterschiedlichen Geschwindigkeiten des technologischen Fortschritts in den Bereichen CPU-Leistung, Speicherdichte und Zugriffszeiten bzw. Performance von Filesystemen hingewiesen.

Ein Überblick über den Entwicklungsstand der heutigen Filesysteme schloß sich an (Stichworte: XFS, Journaling, Volume-Management).

Für die kommenden Jahre werden die Punkte 128 Bit Adressierung, Verteilte Filesysteme, Internet-basierte FS sowie Datenbank-FS maßgebend sein.

Linux benötigt seiner Meinung nach ein industrial strength filesystem, das XFS sein kann. Dieses wird von SGI unter der GPL bzw. einer GPL-ähnlichen Lizenz veröffentlicht werden.

3.3 Theodore Ts'o: From ext2 ... / Stephen Tweedie: ... to ext3

Mit einem kurzen geschichtlichen Rückblick über die Dateisysteme minix, ext, xiafs und schließlich ext2 begann Theodore Ts'o seinen Vortrag.

Der Hauptaugenmerk liegt auf der Zuverlässigkeit und Rückwärtskompatibilität des ext2. Deshalb werden heute nur wenige Änderungen und Erneuerungen am ext2 durchgeführt.

Die von ihm bereits auf dem letztjährigen Linux-Kongreß vorgestellte Erweiterung mit B-Trees befindet sich noch in der Design-Phase. Jetzt da er bei bei VA Linux Systems unter Vertrag ist, kann er sich dem Thema in Vollzeit widmen.

Weiterhin schnitt er kurz die Themen Kompression sowie ACL´s (Access Control Lists) an.

Anschließend erläuterte Stephen Tweedie seine momentane Arbeit am Journaling Filesystem. Dabei werden alle Disk-Aktivitäten in einer Log-Datei protokolliert und erst nach einem expliziten commit geschrieben.

Nach einem Filesystem-Crash wird lediglich der Inhalt der Protokoll-Datei eingespielt und ein zeitaufwendiger Filesystem-Check ist nicht mehr notwendig. Die Hochlaufzeiten werden dadurch extrem verkürzt - vor allem wichtig für Systeme mit hohen Anforderungen an die Verfügbarkeit und großen Platten.

3.4 Jim Mostek: XFS on Linux

Jim Mostek ist der technische Leiter der Gruppe bei SGI, die die Portierung des XFS-FS durchführt.

Er hob die großen Vorteile des XFS hervor:

Bei XFS handelt es sich um ein Journaling FS, das mit einem zweifachen Log arbeitet (in-core sowie on-disk).

Die Portierungsarbeit beinhaltet ca. 120 Dateien mit insgesamt ca. 110K LOC (Lines of Code). Mit brauchbaren Ergebnissen wird zum nächsten Frühjahr gerechnet.

3.5 Olaf Kirch: Linux Security for Programmers, Crackers and Managers

Olaf Kirch ging in seinem Vortrag - der übrigens ausserordentlich professionell vorgetragen wurde - auf Sicherheitslücken in mehreren weit verbreiteten Software-Paketen ein (u.a.: imapd, mountd, pine, etc.).

Erstaunlich ist dabei vor allem, dass die gleichen Fehler immer wieder gemacht werden. Am Beispiel von mountd - einem seiner eigenen Programme - zeigte er, wie durch ein wenig mehr Sorgfalt während der Implementierung vielen Benutzern anschliessend eine Menge Zeit erspart geblieben wäre, die sie schließlich zur Bereinigung des Bugs aufwenden mußten.

Dieser Vortrag zählte für mich durch die Art der Präsentation mit zum Besten auf dem Kongreß. Olaf Kirch benutzte herkömmliche Folien und verstand es ausserordentlich gut die Stichworte der einzelnen Folien erst kurz auf die Zuhörer wirken zu lassen, bevor er seine Erläuterungen dazu gab.

3.6 Richard Guy Briggs: FreeS/WAN IPsec implementation for Linux

Richard Guy Briggs ging in seinem Vortrag ausführlich auf die grundlegende Arbeitsweise von FreeS/WAN ein. Die V1.1 steht kurz vor dem Release.

3.7 Paul "Rusty" Russel: Netfilter: Packet Mangling in 2.4

"Rusty" stellte in seinem sehr technischen Vortrag die Neuerungen im Detail vor, die im Kernel 2.4 ein neues Framework für das portforwarding, masquerading, filtering, etc. bilden werden.

3.8 Fazit

Die Organisation war zufriedenstellend bis gut geregelt, auch wenn es ab und an kleinere Pannen gab. Die Mitglieder der LUGA (Linux User Group Augsburg) sowie die Haupt-Organisatoren der GUUG (German UNIX User Group) haben die Riesenarbeit auf jeden Fall gut gemeistert.

Auch dieses Jahr wieder fand ich es außerordentlich interessant, wie maßgebliche Entwickler über ihre aktuelle Arbeit berichten - deren Ergebnisse sich dann in ein paar Monaten für die Endanwender in dem dann aktuellen Linux-Kernel wiederfinden. Der Kongreß ist seinem Ruf mehr als gerecht geworden, eine Plattform der maßgeblichen Entwickler am und um den Linux-Kernel zu sein.


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